Unverhoffter Höhenflug

von Sebastian Klein

Mit einem Punkt für die Moral hatte der 1.CfB Köln vor dem Doppelspieltag in eigener Halle geliebäugelt. Zu stark erschienen die beiden Gegner des vergangenen Wochenendes. Doch angefeuert von jeweils 50 Zuschauern wuchsen die Kölner geradezu über sich hinaus. Sowohl gegen den STC Blau-Weiss Solingen am Samstag als auch gegen den TV Refrath II am Sonntag siegte der Aufsteiger mit 5:2 und scheint nun vollends in der 2. Bundesliga angekommen zu sein.

Mit nur einer Niederlage aus den ersten vier Spielen reiste der STC am Samstag zu den noch sieglosen Kölnern. Dieser Herausforderung begegnete der CfB mit einer deutlich veränderten Aufstellung bei den Herren. So versuchten sich erstmals Marijn Put/Philipp Wachenfeld sowie Fabian Demtröder/Oliver Schmidt im ersten und zweiten Herrendoppel. Zudem debütierte Wachenfeld statt Jan Thiele im zweiten Herreneinzel, Schmidt trat zudem erstmals mit Fabienne Wachenfeld im Mixed an. „In den ersten Partien sind wir immer einem Rückstand hinterhergelaufen. Wir haben überlegt, wie wir den Start in ein Match positiver gestalten können“, begründete Teamsprecher Wachenfeld die Rotation. Dieser Plan ging zunächst nicht ganz auf. Zwar präsentierten sich Wachenfeld/Put als bärenstarkes Duo, ließen Solingens Niklas Niemczyk/Niclas Lohau nicht den Hauch einer Chance. Da aber das zweite Herrendoppel und das Damendoppel Lena Bonnie/Fabienne Wachenfeld jeweils in vier Sätzen das Nachsehen hatten, ging der STC mit einer 2:1-Führung in die Herreneinzel. In diesen spielten Put und Wachenfeld jedoch hochkonzentriert, gewannen beide in vier Sätzen und brachten ihr Team mit 3:2 in Front. Die beiden ausstehenden Partien gingen dann jeweils über die volle Distanz. Lisa Heidenreich erwischte gegen Alicia Molitor in fast jedem Satz den besseren Start, führte in den ersten beiden Durchgängen mit 7:4, konnte jedoch nur den zweiten gewinnen. Nach einem 10:12 im dritten Satz lag die CfBlerin, die vor allem mit ihren präzisen Rückhand-Diagonaldrops die Gegnerin vor Probleme stellte, im vierten erneut mit 7:4 vorn – und ließ sich in der Folge die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Mit einem satten Smash verwandelte sie den ersten Matchball und brachte den ersten CfB-Sieg in der Bundesligageschichte unter Dach und Fach. Da auch Schmidt/Wachenfeld das Solinger Mixed im fünften Durchgang mit 11:5 bezwangen, reisten die Gäste ohne Punktgewinn nach Hause. „Das war einfach nur saugeil. Beide Fünf-Satz-Matches gewonnen, das gab es bisher auch noch nicht. Mit einem Sieg war eigentlich kaum zu rechnen – und dann wurde es auch noch so ein klarer“, sagte ein hocherfreuter und erleichterter Wachenfeld am Samstagabend. „Mal sehen, ob diese Euphorie uns morgen hilft.“

Sie half. Die Refrather Reserve hatte bis zum Sonntag alle fünf Saisonspiele gewonnen. Doch völlig überraschend war der haushohe Favorit in Köln regelrecht chancenlos. Beide Herrendoppel sowie das erste Herreneinzel gingen glatt in drei Sätzen an den CfB. Da auch Wachenfeld das Duell gegen Corvin Schmitz dominierte, nach einem Aufschlagfehler Schmitz war seine Vier-Satz-Niederlage besiegelt, hatten die Kölner die Begegnung quasi im Schnelldurchlauf bereits gewonnen. Die wohl spannendste Partie des Nachmittags ging jedoch an Gäste. Im Damendoppel kämpfte Heidenreich erstmals an der Seite von Bonnie um jeden Punkt. Gegen Ella Diehl/Iya Gordeyeva wogte das Geschehen hin und her. Spektakuläre und extrem lange Ballwechsel begeisterten die Zuschauer, die beiden Paarungen nach dem Spiel mit langem Applaus ihren Respekt zollten. Vier Matchbälle konnten Bonnie/Heidenreich im vierten Satz abwehren, mussten sich letztlich aber mit 13:15 geschlagen geben. Während Heidenreich in der Folge dem wenig druckvollen, aber extrem präzisen Spiels Diehls in der vorletzten Partie des Tages kaum etwas entgegensetzen konnte, kämpften Schmidt/Wachenfeld das Refrather Mixed zum Abschluss nieder – benötigten wie am Vortag fünf Sätze. „Ein unfassbares Wochenende, an dem die Zuschauer definitiv ihren Anteil hatten. Auch wenn es aufgrund der Situation nur 50 sein konnten, haben die uns unheimlich gepusht“, bilanzierte ein dankbarer Wachenfeld. Durch die unerwarteten Erfolge reist der CfB in zwei Wochen mit breiter Brust zum wichtigen Doppelspieltag nach Berlin. Mit der SG EBT Berlin und dem SV Berliner Brauereien geht es gegen scheinbar direkte Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt.

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